Zum Tod von Wolfgang Herrndorf

LEB DIE LEBEN, leb sie alle
halt die Träume auseinander,
sieh, ich steige, sieh, ich falle,
bin ein andrer, bin kein andrer.

(Paul Celan)

Zu Wolfgang Herrndorf vergleiche den Nachruf “Der Mann, der aus der Welt gefallen ist” von Holm Friebe in DIE WELT und den kurzen, aber prägnanten Text in Hohe Luft Magazin. Denjenigen, die bisher weder die frühen Arbeiten “In Plüschgewittern” und “Diesseits des Van-Allen-Gürtels”, den Roadmovie “Tschick” oder den Krimi “Sand” gelesen haben, seien diese Bücher ans Herz gelegt. Und natürlich Herrndorfs sprach- und reflexionsverdichteter Blog Arbeit und Struktur. Rowohlt wird das Blog in Buchform veröffentlichen.

Lead Awards 2013 – Geschichten von Männern und Fischen

Fotografie, Illustration, Werbung, Visual Leader, Beitrag des Jahres, Cover und Weblog des Jahres sind nur einige der Kategorien und 19 Unterkategorien, in denen auch dieses Jahr bei den Lead Awards wieder herausragende Arbeiten und Gestalter des Jahres 2012/2013 nominiert wurden. Die rund 200 Arbeiten sind noch bis Mitte Oktober in den Deichtorhallen in Hamburg zu sehen. Ausgewählt wurden sie von einer Jury, die sich vorwiegend aus Mitgliedern der Medienbranche zusammensetzt. Diese vergibt in diesem Jahr – anders als in den vorherigen Jahren, in denen die Exponate schon durch Preise und Nominierungen ausgewiesen waren – die Preise und Auszeichnungen erst am 13. September. Zur Zeit hat man also noch die Gelegenheit, gänzlich unvoreingenommen durch die Ausstellung zu streifen und sich anzuschauen, was die Jury für repräsentativ und wegweisend für die Medienproduktion des letzten Jahres befunden hat. Ein Publikumspreis ist dieses Jahr ebenfalls ausgelobt.

Ob Iggy Pop in einer Reportage aus den 70ern oder ein Weblog 2.0 – in der Ausstellung erzählen viele Bilder viele unterschiedliche Geschichten. In großformatigen Abzügen und übersichtlich präsentiert. Ein Besuch lohnt sich. Hier einige Arbeiten als Appetizer. Exemplarisch!

In der Kategorie Porträtfotografie wird u. a. die Arbeit „Oversoul“ von Amy Elkins (Vice Nr. 6) gezeigt. Die amerikanische Fotografin porträtiert Gefangene und bestimmt die jeweilige Bildauflösung aus dem Verhältnis von Gefängnisjahren und Lebensjahren des Betroffenen. Mit zunehmender Anzahl von Gefängnisjahren und daraus resultierender geringerer Bildauflösung lässt dieser Kunstgriff das Gesicht des Betreffenden immer unkenntlicher werden. Identität und Menschsein verschwinden aus Wahrnehmung und Bewusstsein des Betrachters und der Gesellschaft. Der Gefangene wird “bedeutungslos”. Eine ganz andere Arbeit in derselben Kategorie ist Reto Caduffs „Guter Punkt“ (Zeit Magazin Nr. 35). Der Schweizer Fotograf und Filmemacher stellt in formal reduzierten Bildern Gesichter und Sommersprossen vor. Dabei übernehmen die „beautiful freckles“, so der englische Titel der Arbeit, mit ihren ganz eigenen Formationen und Flächigkeiten mit die Rolle des Porträtierten. Das einzelne Gesicht hat durch ihrer Präsenz und Ästhetik in den Aufnahmen einen besonders starken Auftritt. Weiterlesen →